Kein Leihgerät, kein Wochenendtest: Das Habrok HQ35LN ist das Gerät, mit dem ich seit März 2024 abends ins Revier gehe. Zweieinhalb Jahre später fällt mein Urteil anders aus als am Anfang — und der Grund liegt nicht in der Optik, sondern im Gehäuse.
Ich führe im Revier ein HIKMICRO Habrok HQ35LN — ein Multispektral-Binokular, das man mit beiden Augen bedient, gekauft im März 2024 als eines der ersten Geräte am Markt. Es vereint zwei Kanäle in einem Gehäuse: einen 640er-Wärmebildkanal zum Finden und einen digitalen Nachtsicht-Kanal (Restlichtverstärker mit IR-Strahler) zum Ansprechen. Als Jagdausübungsberechtigter ist das für mich der entscheidende Punkt — ich kann den Rehbestand auch nachts sauber ansprechen und erfassen und weiß, welches Stück ich vor mir habe. Im reinen Wärmebild ist das oft nicht möglich.
Multispektral-Binokular · Wärmebild + digitale Nachtsicht (Fusion) · 940-nm-IR-Strahler
Im Einsatz seit März 2024 · zwei Geräte · Test läuft weiter
Vorgelegt habe ich den Bericht HIKMICRO vor der Veröffentlichung, mit der Bitte um Stellungnahme; die Antwort ist weiter unten vollständig wiedergegeben. Bezahlt habe ich das Gerät selbst, das zweite kam als Austausch dafür — keine Leihstellung, kein Testmuster. Diese Seite enthält keine Werbe- oder Provisionslinks, und wie hier bewertet wird, steht offen in der Testmethodik. Zum Preis noch eine Klarstellung, weil ich mich weiter unten darauf berufe: Die rund 3.500 € sind eine Circa-Angabe für mein Gerät im März 2024 — damals eines der ersten am Markt. Heute ist das Habrok deutlich günstiger zu haben; beide Zahlen stehen oben nebeneinander, damit niemand die eine für die andere hält.
Was das Gerät kann — und wo es an Grenzen stößt
Funktional macht das Habrok eine gute Arbeit, daran hat sich in zweieinhalb Jahren nichts geändert. Es ist das Werkzeug, mit dem ich abends ins Revier gehe, Wild aufspüre und dann in den Nachtsicht-Kanal wechsle, um sauber anzusprechen. Was sich geändert hat, ist mein Urteil über die mechanische Haltbarkeit.
Der digitale Nachtsicht-Kanal zeigt echte Struktur und Fell statt nur einer Wärmesignatur — so lässt sich das Rehwild wirklich ansprechen, nicht nur orten. Für die Revierarbeit ist das der Kern: Ich kann den Wildbestand, insbesondere den Rehbestand, auch bei Nacht sauber erfassen und weiß, welches Stück ich vor mir habe. Wichtig: Der Abschuss von Rehwild mit Hilfe technischer Nachtsicht- oder Wärmebildgeräte ist unzulässig — diese Geräte dienen dem Auffinden und Ansprechen, nicht dem Schuss. Mehr dazu in der Rechtslage zur Nachtzieltechnik.
Das Habrok läuft auf zwei handelsüblichen 18650-Zellen (vier liegen bei). Der große Vorteil im Alltag: Dieselben Akkus nutze ich auch in anderen Geräten wie der Taschenlampe. Kein proprietäres Akkupack, das man teuer nachkaufen muss — Ersatz ist überall günstig zu bekommen und im Feld schnell gewechselt.
Der eingebaute IR-Strahler arbeitet mit 940 nm — für Wild praktisch unsichtbar und damit wildschonend, aber lichtschwächer als 850 nm. Für ein sicheres Ansprechen reicht er in meinem Revier bis etwa 70 m; darüber wird das Bild zu dünn, um ein Stück zuverlässig zu beurteilen. Alles Weitere geht nur mit einem zusätzlichen externen IR-Aufheller — damit komme ich auf 120 bis 140 m. Wer das Gerät zum Ansprechen auf größere Entfernung kauft, sollte diese Lampe von vornherein mit einkalkulieren.
Selten, aber es kommt vor: Das Gerät friert ein und reagiert nicht mehr. Dann hilft nur, einen Akku kurz zu entnehmen und neu zu starten — im entscheidenden Moment ärgerlich, aber schnell behoben, wenn man es weiß.
Was in zweieinhalb Jahren kaputtgegangen ist
Der Reihe nach, mit Datum, soweit ich es noch zuordnen kann. Das erste Gerät stammt aus dem März 2024 und war eines der ersten am Markt; alle weiteren Punkte betreffen das Ersatzgerät.
Ende 2024 reagierte das erste Gerät auf den Ein-/Aus-Taster nicht mehr. Eine offizielle Fehlerursache wurde mir nicht mitgeteilt — nach meinem Eindruck lag es am Taster selbst, das ist aber meine Vermutung und keine gesicherte Diagnose. Frankonia Bexbach hat das Gerät ohne Diskussion ausgetauscht; das war kundenorientiert abgewickelt und soll hier ausdrücklich erwähnt werden.
Die Okular-Augenmuscheln haben sich mir wiederholt im Revier gelöst und sind verlorengegangen. Auch hier das Positive zuerst: HIKMICRO hat auf Anfrage kostenlos Ersatz geliefert. Der Service stimmt — die Halterung selbst halte ich nach dieser Erfahrung für konstruktiv nicht ausreichend.
Nachtrag 24.09.2026, nach der Stellungnahme von HIKMICRO: Erneut die linke Augenmuschel verloren — diesmal samt dem Haltering, der sie am Okular festhält. Der Ring ist bei HIKMICRO als eigenes Ersatzteil gelistet; beim britischen Service war er am 24.09.2026 ausverkauft.
Die vordere Rändelschraube, mit der sich der Infrarotstrahl bündeln lässt, ist unterwegs abhandengekommen. Damit fehlt die Möglichkeit, den Strahl auf die Entfernung anzupassen — bei einem Gerät, dessen IR-Reichweite ohnehin der Engpass ist, kein Detail.
Das Band, mit dem sich der Akku aus dem Fach ziehen lässt, hat sich gelöst — beim normalen Akkuwechsel, ohne dass ich daran gezerrt hätte. Ich habe es provisorisch wieder angeklebt; ohne das Band bekommt man die Zelle nur mühsam heraus. Siehe Foto 3.
Die aufgeklebten Gummiabdeckungen über den Bedientasten haben sich auf einer Seite vollständig und auf der anderen teilweise vom Gehäuse gelöst. Darunter liegen Platine und Schalter offen (Foto 2). Damit ist der Wetterschutz an dieser Stelle nach meiner Einschätzung nicht mehr gegeben — und ein Gerät, das nachts bei Regen, Nebel und Frost im Revier geführt wird, ist genau darauf angewiesen. Ich setze das Habrok seitdem nur noch eingeschränkt und bei trockener Witterung ein.



Aufnahmen vom 17. September 2026, Gerät im Auslieferungszustand, nicht geöffnet und nicht zerlegt. Die Bilder dokumentieren den Zustand meines Exemplars und lassen keinen Schluss auf andere Geräte derselben Baureihe zu.
Die Antwort von HIKMICRO
Diesen Bericht habe ich am 17. September 2026 vor der Veröffentlichung an HIKMICRO geschickt, zusammen mit den drei Fragen, die weiter unten stehen. Um Rückmeldung hatte ich bis zum 1. Oktober 2026 gebeten; die Antwort kam am 22. September 2026 und damit deutlich vor Fristablauf — bearbeitet unter der Fallnummer _96823 und gezeichnet von einem Mitarbeiter des Kundendienstes. Sie steht hier vollständig und vor meinem eigenen Kommentar. Weil die Mail am Fuß einen Vertraulichkeitshinweis trägt, gebe ich sie sinngemäß wieder und nicht im Wortlaut; am Inhalt ändert das nichts, und warum ich diesen Weg gehe, steht direkt unter dem Kasten.
HIKMICRO dankt für die Gelegenheit, den Berichtsentwurf vor der Veröffentlichung zu prüfen, und für die transparente und konstruktive Vorgehensweise; die Zeit und Mühe, die in das Testen des Produkts geflossen sei, wisse man zu schätzen.
Zum geschilderten Befund — der im normalen Gebrauch gelösten Gummiabdeckung über den Bedientasten am zweiten Gerät — hält HIKMICRO fest, dass ein solches Problem bei der Habrok-Serie nicht häufig gemeldet werde. Jede Kundenrückmeldung werde ernst genommen, die Häufigkeit gerade dieses Problems sei jedoch sehr gering; ein systematisches oder weitverbreitetes Problem der Baureihe habe man nicht feststellen können.
Zu den Reparaturmöglichkeiten verweist HIKMICRO auf einen Serviceprozess, den man dort als bewährt und umfassend beschreibt. Wer den Wetterschutz der betroffenen Bereiche und die volle Funktion des Geräts wiederhergestellt haben wolle, solle es an eines der autorisierten Servicezentren senden. Das technische Team prüfe es eingehend und führe die erforderlichen Anpassungen und Reparaturen durch — in der Aufzählung ausdrücklich als Beispiele genannt: die am Infrarotstrahler fehlende Schraube einsetzen, die Zuglasche im Batteriefach befestigen oder ersetzen. Ziel sei, dass das Gerät danach wieder voll funktioniere und geschützt sei.
Zur Einleitung einer Reparatur benötigt HIKMICRO Kontaktdaten und Seriennummer; danach informiere das Serviceteam über die weiteren Schritte einschließlich Versandadresse.
Abschließend nimmt HIKMICRO die positiven Punkte des Entwurfs zur Kenntnis — den Austausch durch Frankonia Bexbach, der reibungslos verlaufen sei, und die optische Leistung des Geräts — und dankt für die gründlichen Tests und die Fairness in der Sache; für Rückfragen stehe man zur Verfügung.
Zu meiner dritten Frage — ob Verklebung oder Konstruktion bei aktuellen Fertigungsständen geändert wurden — enthält die Antwort keine Aussage.
Warum hier kein Wortlaut steht: Die Antwortmail trägt am Fuß einen Vertraulichkeitshinweis. Ich gebe sie deshalb sinngemäß wieder statt im Wortlaut — inhaltlich vollständig, ohne Auslassung am Sachgehalt und ohne Zuspitzung. Nicht wiedergegeben sind Anrede und Grußformel, der Name des Sachbearbeiters, die zur Reparatur abgefragten Kontaktdaten und die automatisch angehängten Standardtexte der Mail. HIKMICRO kann jederzeit verlangen, dass die Antwort hier stattdessen im vollen Wortlaut steht — eine Zeile an die im Impressum genannte Adresse genügt, und sie steht am selben Tag hier.
Drei Fragen, zwei Antworten
Ich hatte HIKMICRO drei Fragen gestellt — sie stehen unten im Wortlaut meiner Anfrage vom 17. September. Was darauf gekommen ist und was nicht, halte ich einzeln fest; der Leser soll das selbst gewichten können und nicht meine Zusammenfassung davon lesen müssen.
HIKMICRO teilt mit, ein solches Problem werde nach dortigem Kenntnisstand bei der Habrok-Baureihe nicht häufig gemeldet, und ein systematisches oder weit verbreitetes Problem der Baureihe sei nicht feststellbar. Das ist die Aussage des Herstellers. Ich kann sie nicht überprüfen — ich habe weder Einblick in die Reklamationszahlen noch eine zweite Quelle dafür — und stelle sie deshalb unkommentiert neben meinen eigenen Befund. Beides kann zutreffen: Ein Einzelfall bleibt ein Einzelfall, auch wenn er der meine ist.
Ja. HIKMICRO bietet die Instandsetzung in einem autorisierten Servicezentrum an, nennt dabei ausdrücklich die Wiederherstellung des Wetterschutzes der betroffenen Bereiche und sagt zu, dass das Gerät danach wieder voll funktioniere und geschützt sei. Namentlich aufgezählt sind die fehlende Schraube am Infrarotstrahler und die Zuglasche im Batteriefach — die Abdeckungen stehen nicht in dieser Liste. Die Aufzählung ist erkennbar als Beispielreihe formuliert und nicht abschließend, und der Wetterschutz der betroffenen Bereiche ist der Oberbegriff, unter den die Abdeckungen fallen; andere betroffene Bereiche gibt es an meinem Gerät nicht. Ich lese die Zusage deshalb so, dass sie die Abdeckungen einschließt. Meine zweite Frage ist damit beantwortet, und das gehört dem Hersteller zugutegehalten.
Auf diese Frage ist die Antwort nicht eingegangen. Ich halte das fest und leite nichts daraus ab: Eine unbeantwortete Frage ist keine Antwort — in keine Richtung. Sie wäre für den Kaufinteressenten die wichtigste gewesen, denn mein Gerät stammt aus dem Frühjahr 2024, und wer heute kauft, will wissen, ob er dasselbe Bauteil bekommt. Wer vor der Anschaffung steht, stellt sie am besten selbst — beim Händler oder direkt beim Hersteller.
Ich habe aus der Sache bewusst keinen Garantie- oder Reparaturfall gemacht. Das Angebot von HIKMICRO ist deshalb eine Zusage und kein Erfahrungswert — ich kann nicht sagen, wie lange eine solche Instandsetzung dauert und ob der Wetterschutz danach hält. Sollte ich das Gerät doch einschicken, steht das Ergebnis an dieser Stelle, gut oder schlecht.
Meine Einordnung
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und ich mache sie ausdrücklich: Das ist eine Bewertung, kein Mangelgutachten. Ob hier ein Sachmangel im Rechtssinne vorliegt, habe ich nicht prüfen lassen, und ich behaupte es nicht. Und der Preis ist meiner: Ich habe früh gekauft, heute kostet das Gerät deutlich weniger. Die Erwartung, dass ein Gehäuse dicht bleibt, ändert sich dadurch allerdings nicht.
Was das nicht ist, sage ich genauso deutlich: Es ist kein Vergleichstest. Ein Gerät gegen ein Gerät, verschiedene Baujahre, verschiedene Bauarten, verschiedene Nutzungsdauer, keine gleichen Bedingungen. Über die Haltbarkeit der einen oder der anderen Baureihe sagt das nichts, und als Empfehlung für ein anderes Fabrikat ist es nicht gemeint. Es erklärt nur, warum ich den Zustand meines Habrok nicht für normalen Verschleiß halte.
Was ich nach zweieinhalb Jahren nicht mehr aufrechterhalten kann, ist die Kaufempfehlung. Ein Gerät dieser Preisklasse wird nachts, bei Nässe und bei Frost geführt — es muss dicht bleiben. Wenn sich am zweiten Exemplar im normalen Gebrauch die Abdeckungen über den Schaltern lösen und das Gehäuse an dieser Stelle offen liegt, ist die Kerneigenschaft weg, auf die es bei diesem Einsatzzweck ankommt. Auf Grundlage dieser eigenen Erfahrung rate ich derzeit vom Kauf ab. Das ist meine persönliche Bewertung, keine Aussage über die Serie — wer eine breitere Grundlage will, sollte weitere Langzeitberichte heranziehen und beim Händler nach dessen Erfahrungen mit Reklamationen fragen.
An der Stellungnahme von HIKMICRO liegt das nicht. Sie steht oben, sie ist sachlich, und die angebotene Instandsetzung rechne ich dem Hersteller an. Sie ändert aber nichts an dem, was ich an meinem Gerät sehe: Dass repariert werden kann, was sich gelöst hat, ist nicht dasselbe wie ein Gehäuse, das hält. Meine Bewertung stützt sich auf meine beiden Exemplare und auf nichts sonst — sie ist kein Urteil über die Baureihe und keine Behauptung darüber, wie oft das anderswo vorkommt.
Drei Fragen hatte ich gestellt; zwei sind beantwortet, die dritte — ob Verklebung oder Konstruktion bei aktuellen Fertigungsständen geändert wurden — ist offen. Sie steht weiter offen, und zwar ohne Frist und ohne Unterton: Kommt dazu noch etwas, nehme ich es vollständig und unverkürzt in diesen Bericht auf. Dasselbe gilt für jede weitere Äußerung von HIKMICRO oder vom Fachhandel. Wer eine andere Erfahrung mit diesem Gerät gemacht hat — bessere oder schlechtere —, kann sie mir über das Impressum schreiben; auch das gehört in einen Langzeitbericht.
Häufige Fragen
Wie weit reicht der interne 940-nm-IR-Strahler des Habrok HQ35LN?
Für ein sicheres Ansprechen reicht der eingebaute 940-nm-Strahler in meinem Revier bis etwa 70 m. Darüber wird das Bild zu dünn, um ein Stück zuverlässig zu beurteilen. Mit einem zusätzlichen externen IR-Aufheller komme ich auf 120 bis 140 m. Wer auf größere Entfernung ansprechen will, sollte diese Lampe von vornherein einkalkulieren.
Was ist an meinem Habrok HQ35LN in zweieinhalb Jahren kaputtgegangen?
Das erste Gerät ließ sich nach rund neun Monaten nicht mehr einschalten und wurde vom Händler getauscht. Am Ersatzgerät haben sich mehrfach die Augenmuscheln gelöst, die Rändelschraube am Infrarotstrahler ging verloren, das Zugband im Batteriefach riss, und die aufgeklebten Gummiabdeckungen über den Bedientasten lösten sich vom Gehäuse. Nachtrag vom 24.09.2026, nach der Stellungnahme von HIKMICRO: Erneut ging die linke Augenmuschel verloren, diesmal samt dem Haltering, der sie am Okular festhält. Das ist die Erfahrung mit meinen beiden Exemplaren und keine Aussage über die Baureihe.
Was sagt HIKMICRO zu den gelösten Gummiabdeckungen?
HIKMICRO teilt mit, ein solches Problem werde bei der Habrok-Serie nicht häufig gemeldet, ein systematisches oder weit verbreitetes Problem der Baureihe sei nicht feststellbar. Für die Instandsetzung verweist der Hersteller auf seine autorisierten Servicezentren und sagt zu, dabei auch den Wetterschutz der betroffenen Bereiche wiederherzustellen. Ob Verklebung oder Konstruktion bei aktuellen Fertigungsständen geändert wurden, ist unbeantwortet geblieben.