Ein Messer, zwei Klingen, ein Handgriff dazwischen: Das EKA SwedBlade G5 löst das alte Dilemma zwischen Schneid- und Aufbrechklinge auf elegante Weise — und ist genau deshalb das Messer, mit dem ich selbst im Revier arbeite.

EKA SwedBlade G5 Jagdmesser
EKA SwedBlade G5: Drop-Point-Klinge und konkave Aufbrechklinge in einem Messer — per Schwenkmechanismus gewechselt.
🎯 Arbeitsmesser des Autors
EKA SwedBlade G5
Redaktionelle Einordnung
Klinge
95 mm Drop-Point / 84 mm Aufbrechklinge
Stahl
Alleima 12C27, 57–59 HRC
Gewicht
150 g (Gesamtlänge 217 mm)
Preis
ca. 110 €
Vorteile
  • Zwei Spezialklingen in einem Messer — kein Werkzeugwechsel beim Aufbrechen
  • 12C27: schnell scharf zu bekommen, gute Schnitthaltigkeit, rostträge
  • Konkave Aufbrechklinge mit flachem Scandi-Winkel öffnet die Decke sicher
  • Leicht (150 g) und kompakt, abwaschbare Kydex-Scheide
  • Fangriemenöse für sicheren Halt bei nasser Arbeit
Nachteile
  • Schwenkgelenk ist eine zusätzliche Schmutzstelle und will nach der roten Arbeit gereinigt werden
  • Kein durchgehender Vollerl wie bei klassischen Feststehenden
  • Kunststofflastige Anmutung — wer Holz und Hirschhorn liebt, wird hier nicht warm
Josef StalterAus der Praxis des Autors

Das SwedBlade G5 ist das Messer, mit dem ich selbst im Revier arbeite — aus zwei Gründen: Der schwedische 12C27 ist ein Stahl, der sich gut schärfen lässt und die Schärfe hält. Und die schwenkbare Klinge bringt beim Aufbrechen echte Vorteile, weil der Wechsel zwischen Schneid- und Aufbrechklinge ein Handgriff ist statt ein zweites Messer.

Das Konzept: eine Achse, zwei Spezialisten

Die meisten Jäger führen entweder ein Universalmesser, das beides halbwegs kann — oder zwei Messer, von denen eines beim Aufbrechen im Weg ist. EKA aus Eskilstuna löst das Problem seit Jahren mit dem Schwenkklingen-Prinzip: Am G5 sitzen eine 95-mm-Drop-Point-Klinge zum Schneiden und Häuten sowie eine 84 mm lange, konkave Aufbrechklinge auf derselben Achse. Ein Druck auf den Verriegelungsknopf, eine Drehung — und statt der Schneidklinge steht die Aufbrechklinge. Der Hebelmechanismus arretiert die aktive Klinge sicher, die inaktive verschwindet im Griff. Das G5 ist die Weiterentwicklung des vielfach bewährten G3 und bekam dabei eine überarbeitete Drop-Point-Klinge mit Flachschliff.

Klinge und Stahl: der Schweden-Klassiker 12C27

Beide Klingen bestehen aus Alleima 12C27 (früher unter dem Namen Sandvik bekannt), wärmebehandelt auf 57–59 HRC. Der 12C27 ist seit Jahrzehnten der skandinavische Jagd- und Outdoorstahl — nicht, weil er in Laborwerten Rekorde bricht, sondern weil seine Balance stimmt: rostträge genug für Schweiß und feuchte Novembertage, hart genug für ordentliche Schnitthaltigkeit, und dabei so gutmütig beim Schärfen, dass er sich auch im Revier mit wenigen Zügen wieder auf Arbeitsschärfe bringen lässt. Die Schneidklinge trägt einen Flachschliff mit rund 20 Grad pro Seite, die Aufbrechklinge einen deutlich flacheren Scandi-Schliff von etwa 12 Grad — sie muss nicht hacken, sondern sauber trennen.

Aufbrechen mit der Schwenkklinge

Die konkave Aufbrechklinge ist der eigentliche Grund, dieses Messer zu kaufen. Ihre stumpfe Spitze gleitet unter die Bauchdecke, die innen liegende Schneide öffnet die Decke von unten nach oben — ohne dass die Spitze in Richtung Gescheide zeigt. Das Risiko, Pansen oder Gedärm anzustechen und das Wildbret zu entwerten, sinkt damit deutlich gegenüber dem Öffnen mit der blanken Messerspitze. Wer den Griff einmal raus hat, arbeitet mit dem G5 in einem Zug vom Schloss bis zum Brustbein und dreht dann für die Feinarbeit auf die Drop-Point-Klinge zurück. Die Fangriemenöse am Griffende ist kein Gimmick: Bei schweißnassen Händen gibt der Riemen die Sicherheit, die ein klassisches Parierelement hier ersetzen muss.

Griff, Gewicht, Trageweise

Der Proflex-Griff ist gummiert und füllt die Hand konturiert aus, ohne Hotspots zu bilden. Mit 150 Gramm bei 217 mm Gesamtlänge gehört das G5 zu den leichteren Jagdmessern — am Gürtel vergisst man es. Geliefert wird es in einer Kydex-Scheide: Die ist nicht so schön wie Sattelleder, aber sie hat einen unschlagbaren Vorteil für die Wildbrethygiene — sie lässt sich nach der roten Arbeit einfach heiß auswaschen, wo Leder Schweiß und Feuchtigkeit aufnimmt.

Pflege: der Mechanismus will beachtet werden

Der ehrlichste Kritikpunkt am Schwenkprinzip: Wo eine Achse ist, ist eine Fuge — und wo eine Fuge ist, sammeln sich Schweiß und Gewebereste. Nach dem Aufbrechen gehört das G5 gründlich ausgespült und die Mechanik durchbewegt, sonst leidet auf Dauer die Leichtgängigkeit. Wer diesen Punkt konsequent ernst nimmt, hat lange Freude an dem Messer; wem das zu viel ist, der sollte beim Nachfolger G6 zugreifen, der sich werkzeuglos komplett zerlegen und reinigen lässt — oder bei einem klassischen Feststehenden bleiben. Das Schärfen selbst ist dank 12C27 unkompliziert: Wasserstein oder Schärfsystem, die Winkel halten, fertig.

Fazit: das Werkzeug-Argument gewinnt

Das EKA SwedBlade G5 ist kein Schmuckstück für die Vitrine, sondern ein durchdachtes Arbeitsgerät. Für rund 110 Euro bekommt man zwei Spezialklingen aus bewährtem Stahl, eine hygienische Kydex-Scheide und ein Gewicht, das man am Gürtel nicht spürt. Die Schwächen — Gelenk als Schmutzstelle, nüchterne Optik — sind der Preis des Konzepts. Wer sein Messer als Werkzeug versteht und regelmäßig aufbricht, bekommt hier eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse der Kategorie.

Alternativen im Vergleich: Wer den klassischen Feststehenden mit Vollerl bevorzugt, findet im Otter Sperber-Jagdnicker (Testsieger im JÄGER-Magazin) und im robusten Merkel Gear G10 zwei starke Alternativen. Deutlich günstiger, aber ohne Aufbrechklinge: das Mora Kansbol. Alle sechs Modelle im Jagdmesser-Vergleich.

Häufige Fragen zum EKA G5

Was unterscheidet das EKA SwedBlade G5 vom G3 und G6?

Das G5 ist die Weiterentwicklung des G3 mit überarbeiteter Drop-Point-Klinge und Flachschliff. Der Nachfolger G6 nutzt dasselbe Schwenkprinzip, lässt sich aber zusätzlich ohne Werkzeug zerlegen und reinigen — bei rund 20 Euro Aufpreis.

Ist der 12C27-Stahl gut für ein Jagdmesser?

Ja. Der schwedische 12C27 (Alleima, früher Sandvik) ist der klassische skandinavische Jagdstahl: rostträge, ausreichend schnitthaltig und vor allem sehr leicht nachzuschärfen — auch unterwegs mit einfachen Mitteln.

Wie funktioniert der Klingenwechsel am G5?

Verriegelungsknopf drücken, Klinge um die Achse schwenken, einrasten lassen. Der Hebelmechanismus arretiert die aktive Klinge sicher; die inaktive Klinge liegt geschützt im Griff.

Darf ich das EKA SwedBlade G5 in Deutschland führen?

Auf der Jagd und im berechtigten Interesse ja. Außerhalb gilt § 42a WaffG: Die Schneidklinge liegt mit 95 mm unter der 12-cm-Grenze für feststehende Messer, das Führen ist damit grundsätzlich zulässig — die Rechtslage im Einzelfall bleibt zu beachten.